Distanzierungsarbeit

Distanzierungsarbeit beginnt dort, wo junge Menschen vermehrt verbal, visuell und/oder durch aktive Handlungen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auffallen. Der Ansatz der Distanzierungsarbeit wendet sich somit an Jugendliche, die gefährdet sind, den Einstieg in die rechtsextreme Szene zu vollziehen oder die angeworben werden könnten, aber auch an bereits in diese Richtung orientierte Jugendliche.

Distanzierungsarbeit hat zum Ziel, den Einstieg von gefährdeten Jugendlichen und jungen Menschen in die rechtsextreme Szene zu verhindern.

Die Distanzierungsarbeit steht als eigenständiges drittes Element neben der Präventionsarbeit (vorbeugende Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit) und der Ausstiegsarbeit (Loslösung aus Strukturen des organisierten Rechtsextremismus).

Distanzierungsarbeit versteht sich als aufsuchendes Arbeiten an Distanzierungsmotivationen, in Fällen, in denen noch kein geschlossenes rechtsextremes Weltbild oder ein Organisationsgrad erkennbar ist. Die Zielgruppe der Distanzierungsarbeit ist als heterogene Gruppe zu verstehen, die sich in drei Radikalisierungsstufen unterscheiden lässt.

3 Stufen der Radikalisierung

  • Stufe I: Das Spektrum der Zielgruppe der Distanzierungsarbeit beginnt bei kontinuierlichen menschenverachtenden Positionierungen; Vorhandensein von sogenannten Gelegenheitsstrukturen und Risikofaktoren der Hinwendung

  • Stufe II: Die Personen zeigen Vermeidungsverhalten des Kontakts und eine aktive Abwertung anderer Menschen(gruppen); die Selbstwahrnehmung als politisch und/oder die grundlegende Kritik am demokratischen System per se; das Austesten symbolischer rechtsextremer Codes und von Narrativen und verstärktes Suchen und Nutzen von Gelegenheitsstrukturen in Bezug auf rechtsextreme Milieus

  • Stufe III: Die Personen üben (alle Formen von) Gewalt gegenüber den Feindbildern aus bzw. bieten anderen Personen Hilfestellung im Umgang mit politischen Feinden an; die Personen interessieren sich für organisierte politische rechtsextreme Gruppen und stehen diesen offen gegenüber, sind aber kein fester Teil davon; abnehmende soziale Kontakte zu Personen anderer Meinung; Personen kennen und glauben einzelne Versatzstücke rechtsextremer Narrative; sie verwenden rechtsextreme Codes.

Mehr Details zu den Radikalisierungsstufen hier.

Ziel ist die Distanzierung von menschenfeindlichen und gewaltbefürwortenden Haltungen. Dafür arbeitet Distanz e.V. aufsuchend, d.h. die Mitarbeiter*innen suchen über verschiedene Wege proaktiv den Kontakt zu potenziell Zugehörigen der Zielgruppe und motivieren diese zu einem Distanzierungstraining. Außerdem ist D-Netz mit dem Zentrum für Distanzierungsarbeit für pädagogische Fachkräfte zu (Fall-)Beratungen, Coaching und Fortbildungen ansprechbar.

Die Notwendigkeit der Distanzierungsarbeit hat sich in der Pädagogik gesellschaftlich vor allem seit 2015 zunehmend manifestiert. Durch weltweite humanitäre Katastrophen in Krisen- und Kriegsgebieten erhöhte sich die Anzahl in Not geratener Menschen, die sich auf die Flucht begaben. In europäischen Ländern wird diese bis in die Gegenwart andauernde weltweite Migrationsbewegung vor allem durch rechtspopulistische Parteien und Initiativen verzerrt dargestellt. Menschenfeindliche Einstellungen, die laut der Forscher*innen der Mitte-Studien bereits lange vorhanden waren, sind in der Öffentlichkeit sichtbarer geworden. Sie münden häufiger als zuvor in menschenfeindliche Handlungen, auch fernab von organisierten rechtsextremen Kontexten.

Einstellungen und Handlungen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit treten seit 2015 vermehrt öffentlich auf.

Die starke mediale und öffentliche Thematisierung allgemeiner Abwertung von Menschen, verschiebt nach und nach die Grenzen des Sagbaren und Machbaren. Tabubrüche und deren Relativierungen wurden zu einer Strategie der Rechtspopulist*innen und menschenfeindlicher Initiativen. Ihre grenzwertigen Aussagen wirken auch in der Lebenswelt junger Menschen und beeinflussen ihre Vorstellungen. Das führt unter anderem dazu, dass sowohl Geschichtsrevisionismus als auch Verschwörungsglauben immer öfter in der Präventionsarbeit an der Tagesordnung sind. „Ich bin kein Nazi, aber …“ wurde zu einer gängigen Floskel und beschreibt deutlich die Notwendigkeit von Distanzierungsarbeit. Ein Ausstieg aus einer rechtsextremen Szene, ist nicht das Thema, weil kaum jemand, der vermehrt solche Aussagen tätigt, organisiert ist. Eine Distanzierung von den menschenverachtenden Einstellungen ist das eigentliche Arbeitsfeld.

Die Verschiebung der Grenze des Sagbaren und Machbaren hat die Vorstellungen von Normalität bei jungen Menschen verändert.

Um die Jugendlichen zu erreichen, arbeitet Distanz e.V. mit Methoden der politischen (-historischen) Bildung und jugendkultureller Medien-Praxis on- wie offline. Dabei verfolgen wir den Anspruch einer milieuübergreifenden Distanzierungsarbeit. Das bedeutet, dass wir unsere Arbeit niedrigschwellig im Sozialraum für unterschiedliche Milieus anbieten. Durch medien- wie jugendkulturelle Praxen bieten wir nicht nur eine politische Reibungsfläche für die Jugendlichen, sondern auch sinnstiftende Handlungsalternativen.

Distanz e.V. arbeitet milieuübergreifend sowie multidisziplinär und bietet Handlungsalternativen.

Wir holen die Jugendlichen in ihrer Lebenswelt ab und arbeiten on- wie offline regional aufsuchend. Wir treffen die Jugendlichen sowohl in virtuellen Räumen als auch offline und arbeiten sowohl mit allen Schulformen als auch im außerschulischen Bereich z.B. mit Jugendclubs zusammen.

Aufsuchende Arbeit on- wie offline bedeutet: Wir holen die Jugendlichen dort ab, wo sie stehen – und gehen mit ihnen in eine andere Richtung weiter.

Weiterlesen zur Distanzierungsarbeit und das Arbeiten mit dem BRAKE-Ansatz hier. (PDF, ca. 900 KB).

Gefördert durch

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