Methoden

Die Auseinandersetzung mit Distanzierungsfällen benötigt ein breites Methodenrepertoire, das sich jeweils an der spezifischen Situation des Jugendlichen orientiert. Das Trainingskonzept von Distanz e.V. kombiniert dabei Methoden der politischen, historischen, menschenrechtsorientierten-jugendkulturellen und sozialen Bildung, systemisch-lösungsorientierter Zugänge und der Biografiearbeit sowie Methoden der genderreflektierten Anti-Gewalt-Arbeit. Im Querschnitt verankert ist eine kritisch-konfrontative und gleichzeitig beziehungsstiftend-zugewandte Grundhaltung der Trainer*innen. Das Distanzierungstraining ist im Einzelsetting und in der Gruppe möglich und wird in Dauer und Taktung den Bedarfen und Ressourcen der Jugendlichen angepasst.

Im Umgang mit Distanzierungsfällen ist es zentral, Beziehung herzustellen/zu halten sowie auf soziale und individuelle Umstände einzugehen. Gleichermaßen ist Intervention auf der politischen Ebene nicht zu vernachlässigen, da Hinwendungsprozesse selten zufällig ablaufen. Eine kritisch-konfrontative und beziehungsstiftend-zugewandte Methodik kann in der Beziehung mit den Jugendlichen in ihrer Ambivalenz schwer umzusetzen sein. Die humanistische Grundhaltung der pädagogischen Fachkraft muss hier stabilisierend wirken, um psychisch belastende Effekte ambivalenter Beziehungen zu vermeiden. Konfrontation hat das Potential, Beziehung zu stiften, da Jugendliche ernst genommen werden und ihr adoleszentes Reibungsbedürfnis zur Identitätsbildung ausleben können. Aussteiger*innen berichten, dass niemand sie in der Phase der Hinwendung ernst genommen habe – dies gilt es abzuwenden.

Der systemisch-lösungsorientierte Zugang des Trainings erkennt und fördert Ressourcen der Jugendlichen und nimmt die Zusammenhänge von Systemen im Umfeld der Jugendlichen (z. B. Familie, Schule, Arbeitsstelle, Peer-Group etc.) in den Blick. Der Vorteil: Dieser Zugang eröffnet die Möglichkeit, bekannte Muster aufzubrechen, da die Problemlage nicht auf die individuelle Ebene oder psychische Verfasstheit der Jugendlichen reduziert wird, sondern Entstehungsfaktoren bearbeitet werden. Die Situation des Jugendlichen wird so auch in ihrer politischen Komponente reflektiert und in Form einer narrativen Gesprächstechnik angesprochen.

Politische Themen werden niedrigschwellig, lebensweltorientiert und erkundend-narrativ bearbeitet. Je nach Interessenlage der Jugendlichen wird diese um Facetten von historischer oder jugendkultureller Bildung ergänzt. Im Training wird auch das Erlangen von sozialen Kompetenzen, wie Empathiefähigkeit, Perspektivwechsel, Ambiguitätstoleranz, Selbstwirksamkeit und Konfliktfähigkeit, gefördert. Wir nutzen hierfür zielgruppenspezifische Methoden der Soziale Bildung und der genderreflektierten Anti-Gewalt-Arbeit (nach tesya®).

Formate des Training

Die Trainingsformate sind im Einzelsetting und in der Gruppe möglich. Die Gruppenarbeit ist als Stufensystem konzeptioniert und wird je nach Notwendigkeit/Möglichkeit der Jugendlichen in unterschiedlichen Intervallen angeboten. Wir nutzen Orte, in denen sich Jugendliche regelmäßig aufhalten, vor allem zur Ansprache. Im weiteren Trainingsverlauf wird angestrebt, die Jugendlichen an neuen Orten (z.B. Jugendbildungsstätte, Mehrgenerationenhaus vor Ort…) zu binden. Mit dieser Distanz zu gewohnten Orten haben wir gute Erfahrungen gemacht, da es für Jugendliche erleichtert wird, sich von bestehenden Rollen zu lösen.